Samland
Geschrieben von: Birgit Mallon

Samland, Foto 02.08.2009
Länge ü. A.: 19,48 m
Breite ü. A.: 3,97 m
Tiefgang: 1,4 m
Antrieb: Daimler Benz OM 346, 6 Zylinder, 4 Takt, 165 PS, Reihensechszylinder mit Direkteinspritzung, 10,8 l Hubraum
Baujahr: 1907, Werft Dresden Übigau,
gebaut als Binnen-Dampfeisbrecher, später
umgerüstet zum Munitionsbergeschiff
Liegeplatz: Museumshafen Korneuburg
Eigner:
Birgit Mallon, Tel. +43 664 401 3743,
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Peter Dubovsky, Tel. +43 664 221 3393,
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Eichbergstr. 33, A-2371 Hinterbrühl
Zur Geschichte der SAMLAND
Die SAMLAND wurde 1907 in Dresden Übigau - vermutlich mit der Baunummer 969 - gebaut. Aufgrund ihres jeweils für die Werft typischen Nietbildes können wir sie relativ sicher zuweisen, da es einen Zeitzeugen gab, der dieses gegenüber einem Vorbesitzer identifzieren konnte. Sie war ursprünglich ein Arbeitsschiff, Schlepper und Binnen-Dampfeisbrecher mit Einsatzbereich im damaligen Ostpreussen. Der Steuerstand war offen und der Rumpf wie damals üblich genietet. Sie dürfte eines von vielen in Serienfertigung hergestellten Arbeitsschiffen gewesen sein.
Skizze: Gesamtdisposition eines ca 20 m langen Schraubendampfers der Werft Dresden Übigau.
Das nächste Foto zeigt ein Arbeitsschiff in Königsberg um 1910 und damit die Bauweise der Schlepper aus dieser Zeit und Gegend und in einer vergleichbaren Größe. Da die Arbeitsschiffe in erster Linie auf Funktion ausgerichtet waren und nicht auf optische Individualität geschweige denn Komfort dürfte auch die SAMLAND so oder zumindest sehr ähnlich ausgesehen haben.
Die Form und Bauweise des Bugs ist bei der SAMLAND allerdings anders und weist sie als Eisbrecher aus. Der Abstand der Spanten liegt in der SAMLAND zwischen 45-50 cm. Im Bug ist der Abstand jedoch aus Stabilitätsgründen nur mehr 25-27 cm. Dies ist ebenso typisch für einen Eisbrecher wie der nach unten gerundete Steven, der es ermöglicht hat auf das Eis aufzufahren und es durch das Schiffsgewicht zu zerdrücken.

1911 wurde sie nach Danzig an den Zoll verkauft. Name des Schiffs damals: ZOLLWACHE. Zwischen den Weltkriegen fuhr sie unter dem Namen UNDYNIA für die Wasserstrassenverwaltung Weichsel und unter dem Namen BOLESLAW PRUSS für die Zuckerfabrik Weichsel.
1945 wurde das Schiff von der Roten Armee beschlagnahmt, 1948 durch die polnische Regierung zurückgefordert und durch die SOAG (Sowjetische Oderschifffahrts AG) nach Polen zurückgeführt.
Ab 1953 war die SAMLAND als Bugsierschiff für Zementleichter in Berlin-Rüdersdorf im Einsatz und fuhr unter dem Namen BEER-ZEMENT. Wie sie von polnischem Besitz wieder in deutsche Hände kam ist ungeklärt.
Vor 1960 diente sie unseren Recherchen zufolge als Fluchtfahrzeug für mehrere Personen vom russisch besetzen Teil Berlins auf Berliner Gewässern in einen der Westsektoren. Die Berliner Wasserstraßen waren im Zuge der Gründung der DDR und der damit verbundenen Grenzsperrungen eine der zuletzt unpassierbar gemachten Fluchtwege.
Nach dieser Flucht wurde die Samland als herrenloses Gut von Senat Westberlins beschlagnahmt und am 18.2.1960 mit Eichschein 418D in die Magistratsflotte von Berlin-West aufgenommen. Sie war das 118. Schiff das beim damals neu gegründeten deutschen Binnenschiffsregisteramt in Berlin eingetragen wurde und darf diese niedrige Nummer (BSR 118) bis heute führen.
Die alte Dampfmaschine wurde ausgebaut und sie erhielt in den sechziger Jahren den heute noch aktiven Daimler Benz Motor OM 346 mit 165 PS. Die Trägerschienen für die Dampfmaschine befinden sich allerdings heute noch an Bord und sind genauso im Inneren sichbar wie die alten Einfüllschächte für die Kohlen zur Befeuerung.
Von Ihrer bewegten Vergangenheit zeugen auch noch einige Löcher von Granateneinschüssen, die zwar von außen zugeschweisst wurden, aber im Bug und im vorderen Schanzkleid innen sichtbar sind. Wer die SAMLAND beschossen hat und in welchem Zusammenhang ist aber nicht mehr recherchierbar.
1971 war sie als Munitionsbergeschiff im Berliner Landwehrkanal unterwegs. Aus dieser Zeit stammt auch das s/w Foto. Der ursprünglich voll genietete Stahlrumpf wurde saniert, mit geschweißten Eisenplatten verstärkt und das Unterwasserschiff bekam einen Bleimennige Anstrich. Im Zuge dieser Umbaumaßnahmen rüstete man das Schiff mit einem Elektromagnetkran aus und vergrösserte das Heck, da sie beim Bergen großer Lasten achtern zu tief eintauchte.
Das Bild zeigt die SAMLAND 1971 damals mit dem Heckkran im Einsatz als Schlepper

1974-1983 fuhr sie als Munitionsbergeschiff für Firma Behrendt & Co (Tauch- und Bergungsunternehmen).
1983 wurde sie von Hans Gerd Moeritz (Abwrackunternehmen und Schrotthändler) zur Verschrottung erworben. Der Eigner erklärte die SAMLAND aber zu seinem Hauptwohnsitz. Danach war sie bis 1998 Anlegeschiff für Segelprüfungen der Wassersportschule Nordwind Yachting Berlin. Sie soll damals in einem sehr desolaten Zustand gewesen sein.
Ab 1998 bis 2002 war sie Eigentum des Herrn Günter Triebler. Er ließ die Bilge versiegeln (erhitzte Mischung aus Hartfett und Öl), den heckseitigen Dachaufbau fertigen und den Kettenkasten teilweise ausbetonieren (ca. 1000 kg) um die SAMLAND zu trimmen.
1999 erhielt die SAMLAND das Kleinfahrzeugkennzeichen FF-1018 (Land Brandenburg).
2002 wurde sie von Herrn Gerhard Vokroj erworben. Während seiner Zeit als Eigner bekam die SAMLAND einen neuen Unterwasseranstrich (siehe Foto vom Unterwasserschiff auf der Werft).

Am 3.2.2008 haben wir die SAMLAND in Berlin gekauft. Sie fuhr auf eigenem Kiel unter Kapitän Michael Köhler von Berlin nach Korneuburg in den Museumshafen, wo sie ihren derzeiten Liegeplatz gefunden hat. Seit 16.4.2009 führt die SAMLAND das Regensburger Kleinfahrzeugkennzeichen R-N 357 und fährt damit weiter unter deutscher Flagge.
Geplant ist eine technische Restaurierung für 2009, unseren neuen Steuerstand werden wir voraussichtlich im Juli 2009 aufbauen und der komplette Innenausbau ist für 2010 vorgesehen. Wir planen die SAMLAND im alten Stil jedoch mit heutiger Technik von Grund auf zu sanieren. Natürlich ist uns klar, daß das eine Gratwanderung ist und Kompromisse erforderlich sind, da sie doch ursprünglich ein reines Arbeitsschiff war und jetzt bewohnbar und auch für längere Touren alltagstauglich werden soll.

Eine von Peter gemachte CAD Zeichnung zeigt den derzeitigen Stand unserer Umbauplanungen.
27.5.2009
Ein erfreulicher Tag: Eine von Herrn Dipl.-Ing. R. Kuchar durchgeführte Wandstärkenmessung im kompletten Rumpf der SAMLAND hat Messresultate nicht unter 5,4 mm und bis zu 9,1 mm ergeben. Damit dürfte sich die Qualiität unseres Schlafes an Bord erheblich verbessern.
31.07.2009
Ein weiterer Meilenstein: Heute haben wir unseren neuen Steuerstand fertiggestellt. Endlich kann auch Peter (190 cm lang) als aufrechter Mann aufrecht in unserem Schiff stehen ohne sich den Kopf zu stossen. Material Lärche massiv 4 cm stark. Die ersten Anstricharbeiten sind sicher gut getrocknet, da beim Aufbau immerhin "gemütliche" Temperaturen von 37 °C gemessen werden konnten.
20.12.2009
Mittlerweile haben wir erfrischende Temperaturen zwischen -5 bis -10 °C. Seit vorgestern kümmert uns das nicht mehr, denn unsere Webasto Panzerstandheizung ist seit zwei Tagen in Betrieb und bläst dank 11 KW Leistung und 200 mm Rohr gewaltig. Auch der technische Ausbau macht Fortschritte. Ein elektrisches Gesamtkonzept steht bereits auf dem Papier und wartet ebenso auf die Umsetzung, wie die Installation der sanitären Einrichtung. Die Vorbereitung des Innenausbaus schreitet ebenfalls voran. Peter montiert derzeit die Trägerlatten, die die Isolation halten sollen und im weiteren Verlauf die Holzverkleidung. Wir planen bis Ende März den Abschluß der technischen Installationen um mit dem Innenausbau beginnen zu können.
11.01.2010
Langsam fügen sich die vielen Teile zu einem ganzen. Heute haben wir dank eines sehr freundlichen und hilfsbereiten Herrn der Firma Mercedes - zunächst nur als Fax aber immerhin - die Geburtsurkunde unseres Schiffsmotors in Form der Original Mercedes Baukarte vom 19.12.1966 erhalten. Mit diesen Daten dürfte sich die Recherche nach noch fehlenden Teilen für unseren Motor wesentlich vereinfachen.
August 2010
Bei Bilgenputzarbeiten haben wir auf einer Querspante ziemlich genau in der Mitte des Schiffs eine Nr. gefunden
No. R.S.W. 22
Nach langen Recherchen hat sich herausgestellt, dass dies nicht die Baunummer des Schiffes ist. Es handelt sich um eine Walznummer der Rheinischen Stahlwerke, heute Thyssen-Krupp. Uns liegt mittlerweile eine historische Liste vor, welches Stahlwerk wie gekennzeichnet hat. Falls also irgend wer etwas ähnliches auf seinem Schiff findet, möge er bitte Kontakt zu mir aufnehmen, wir stellen diese Liste gerne zur Verfügung. Da wir nach wie vor die Geschichte der Samland recherchieren, sind wir weiter sehr interessiert an allen Informationen - so z.B. an welche Werften die Rheinischen Stahlwerke im Jahresbereich 1900 - 1910 gewalzte Stahlspanten geliefert hat.











lg hubert